11.06.2006

Heute fiel sein Name und die Reise in die Vergangenheit nahm wie von selbst ihren Lauf, obwohl es schon über ein halbes Leben lang her war. Es gab Zeiten, da war es wie ein Schlag ins Gesicht; Zeiten wo Tränen fielen, Zeiten wo sich Gleichgültigkeit breit machte und nichts mehr weh tat. Doch diesmal ... heute ... war es ganz anders als sein Name fiel.
Aber wie anders war es denn? Es war keine Gleichgültigkeit vorhanden, keine Tränen, dennoch wohl eine Trauer ...
 ...
etwas wie liebende Dankbarkeit.
Alles lief noch mal Revue, wenn auch völlig in durcheinander hängenden Erinnerungspuzzel.
Was aber immer wieder hervor trat war dieses Lächeln was sie umgehauen hatte, sein Blick hatte etwas von einen "kleinen Jungen". Die Haare, die sich in Locken kräuselten ... Dies war die erste rein zufällige Begegnung und Monate vergingen, mehr oder weniger, so genau konnte sie sich nicht mehr daran erinnern.
Aber er tauchte wieder an ihrer Schule auf, in ihrer Clique ... doch der Zauber des Lächeln`s, hatte aus welchen Gründen auch immer, keine Wirkung mehr bei ihr.  Während er wohl hin und weg war ...? So genau vermochte sie es nicht zusagen, aber er brachte sie zum Lachen und Erinnerungsfetzen an den Kinofilm "Bernhard und Bianca", wo er auf das Kinoplakat zeigte und sagte: "Schau mal da steht: Jörg und Sarah!". Er machte allerhand charmante Sachen, machte sich für sie zum Affen und sagte jeden, der es hören wollte, dass er nur sie will ... Er stand bei den anderen Mädchen hoch im Kurs und war allseits beliebt. Dennoch erhörte sie ihn nicht, was ihn aber nicht zu stören schien ...? Er ließ einfach nicht locker und deshalb wurden sie wohl auch ein Paar. ... Die Anfangszeit war herrlich wie es wohl bei so vielen ist, doch um so weiter die Zeit ins Land zog, um so schwieriger wurde alles. Jörg war lieb, verständnissvoll, immer mit einen offenen Ohr und alles hätte so schön sein können, wenn er nicht so einen schlechten Umgang gehabt hätte. Er fing an Drogen zunehmen und dieses Thema wurde immer mehr zum Streitpunkt zwischen ihm und Sarah. Sie redete anfangs noch mit Engelszungen auf ihn ein, versuchte wirklich alles um ihn davon abzubringen ...

*Hmm, wenn sie heute so darüber nach dachte ... vielleicht hatte sie es nicht genug versucht? Vielleicht war sie auch zu jung gewesen? Sie wusste keine Antwort auf ihre Fragen*

Jörg drifftete immer weiter ab in den Schlund der Drogen. Auf irgend einer Feier sagte sie ihm mal voraus, dass er irgendwann mal an der Nadel hängen würde wenn er so weiter machte. Er war ausser sich und packte sie am Kragen, doch ein Kollege von ihm hielt ihn zurück mit dem Worten: "Wenn du dich unbedingt schlagen willst, können wir beide gerne mal vor die Tür gehen", damit ließ er von ihr ab ...
So zogen die Monate ins Land ...
Es gab immer mehr Streitigkeiten und Situationen, die einfach nicht mehr tragbar waren. Die Drogen veränderten ihn so sehr, dass Sarah ihn oft nicht wieder erkannte ... und es wurde unerträglich. Somit stellte sie ihn eines Tages vor die Wahl: SIE oder seine Drogen. Er ließ sich 2 Tage Zeit mit seiner Antwort und als er anrief ... Seine Antwort: Beides! Sarah ließ sich auf diesen Kuhhandel nicht ein und sagte ihm, dass er sich somit für seine Drogen entschieden hatte und hängte ein. Seitdem Tag hörte sie eine ganze Weile nichts von ihm, bis eines Tages eine Karte aus Spanien kam.
...
Einmal, nach ca. einem halben Jahr, trafen sie sich nochmal. Er wollte sie zurück, doch sie konnte nicht, weil er sich nicht von seinen Kumpels und seinen Drogen los sagen konnte ...

Jahre vergingen wo man sich nicht sah oder von einander hörte. Dennoch meldete er sich wieder mit einem überraschenden Anruf und ob er vorbei kommen könnte. Er hatte irgendwie ihre Telefonnummer und Adresse raus gefunden. Als er kam sah er mager aus und erzählte, dass sie recht gehabt hatte mit ihrer damaligen Aussage ... er hing an der Nadel und hatte gerade einen Entzug hinter sich und beteuerte immer wieder, dass er nun clean wär ...

Jörg meldete sich immer wieder in Abstand von Monaten oder Jahren, wenn er einen erneuten Entzug hinter sich hatte. Er suchte sie immer wieder auf`s neue und fand sie auch immer wieder ... Irgendwo war noch das Band von damals ...

Er hat sich schon lange nicht mehr gemeldet, denn er ist wieder voll auf Drogen. Er ist schon lange nicht mehr der Mensch, der er einmal war ... noch nicht einmal mehr der Mensch, der er zur Zeit der Trennung war. Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst, nur bemüht den nächsten Schuss zu kriegen ... nur dieses jungenhafte Lachen ist noch da ...
und dieses Lachen und an das Bild der Anfangszeit als er noch er selbst war bewarte sich Sarah nun ... jetzt ... heute, wo sein Name fiel ...
Trotzallem, egal was alles geschehen war, dachte sie voller Liebe an den Menschen zurück, der ihr anfangs soviel gegeben hatte und für das "Gegebene" würde sie ihm ein Leben lang dankbar sein.
Ein bißchen Trauer, heute wo sein Name fiel, weil er schon lange nicht mehr der ist,
der er einmal war.

Das schnell gedachte Wort
ist noch lange nicht schnell geschrieben

by Sterntaler771178

 




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